In der neuen Beratungsstelle Sehen Plus in Potsdam-Babelsberg, Rudolf-Breitscheid-Straße 24, ermöglicht das Oberlinhaus ab sofort umfassende Screenings zur Sehwahrnehmung für Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, mögliche Einschränkungen frühzeitig zu erkennen, Zusammenhänge besser zu verstehen und zu passgenauen Fördermöglichkeiten zu beraten – auch dann, wenn bisherige medizinische Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse geliefert haben. Die von Aktion Mensch geförderte Beratungsstelle fungiert als zentrale Anlaufstelle bei visuellen Wahrnehmungsauffälligkeiten.
Auffälligkeiten erkennen, Ursachen besser verstehen
„Viele Kinder können selbst nicht einschätzen, ob sie gut sehen oder hören, insbesondere wenn eine Behinderung vorliegt“, sagt Torsten Burkhardt, Leiter der Beratungsstelle. Auffälligkeiten wie ungewöhnliche Körperhaltungen, besondere Blickführungen, schnelle Ermüdung oder Konzentrationsprobleme blieben daher häufig ungeklärt. Die neuen Screeningmöglichkeiten unterstützen dabei, körperliche Ursachen sichtbar zu machen – vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammenwirken. Das Angebot ist kostenfrei, unverbindlich und kann ohne vorherige Diagnosen in Anspruch genommen werden.
Hauptzielgruppe des Angebots sind Kinder und Jugendliche aus Berlin und Brandenburg mit Sehbehinderung und zusätzlichen Förderbedarfen. Darüber hinaus richtet es sich an Kinder und Jugendliche mit anderen Beeinträchtigungen – etwa im Bereich Hören oder im Autismus Spektrum – sowie an Kinder mit Entwicklungs- oder Wahrnehmungsauffälligkeiten. Auch Eltern, Kitas, Schulen, Frühförderstellen und Fachkräfte, die Unsicherheiten oder Auffälligkeiten beobachten, profitieren von den diagnostischen Möglichkeiten der Beratungsstelle.
Das interdisziplinäre Team von Sehen Plus arbeitet mit viel Fachwissen, Ruhe und Einfühlungsvermögen. Die Fachkräfte nehmen sich bewusst Zeit, um Wahrnehmungsbeeinträchtigungen aufzudecken, die in Facharztterminen, in denen ausschließlich das Sehen oder das Hören im Fokus stehen, unentdeckt bleiben können. Hierzu gehören ausführliche Beobachtungen über längere Zeiträume, das Erproben technischer Hilfsmittel sowie Untersuchungen zu Förderbedarfen im Bereich Sehen und Hören. Auch flexible Abläufe – etwa das Unterbrechen eines Termins, wenn ein Kind eine Pause benötigt – sind Teil des Konzepts.
Starke Vernetzung
Eine besondere Stärke des Angebots liegt im engen Austausch mit dem Netzwerk Sehen. In diesem Verbund arbeitet das Oberlinhaus gemeinsam mit Sehberatungsstellen, Förderschulen, Beratungsdiensten, Kindertagesstätten und Frühförderstellen zusammen. „Das Netzwerk ermöglicht schnelle Rücksprachen, gemeinsame Fallbesprechungen und kurze Wege für Familien und Einrichtungen – und schafft damit optimale Voraussetzungen für eine ganzheitliche Unterstützung“, so Torsten Burkhardt. Er steht für weitere Informationen und Terminabsprachen zur Verfügung unter (0331) 763-5391 oder per E-Mail an torsten.burkhardt@oberlinhaus.de.
Ein besonderer Dank gelte Aktion Mensch, so Burkhardt weiter, die das Beratungsangebot bis Juli 2029 mit 400.000 Euro fördert. „Die Förderung trägt maßgeblich dazu bei, Versorgungslücken im Bereich der Sinneswahrnehmung zu schließen und die Beratungssituation für Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung und mehrfachen Beeinträchtigungen deutlich zu verbessern.“















