Autismusspezifische Förderung und Beratung

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus sowie Angehörige

Die Oberlin Lebenswelten unterstützen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus durch autismusspezifische Einzelförderung und Beratung. Seit dem Jahr 1999 sind wir im Land Brandenburg für Familien im Einsatz – mobil und im Autismuszentrum in Potsdam sowie in unserer Zweitstelle in Michendorf. Zudem beraten wir Angehörige und weitere Bezugspersonen wie Erzieher, Lehrer und Arbeitgeber. Unsere speziell ausgebildeten und erfahrenen Mitarbeitenden:

  • informieren über individuelle Fördermöglichkeiten und weitere Unterstützungsangebote
  • sind auf Wunsch behilflich bei Anträgen und erläutern rechtliche Rahmenbedingungen
  • informieren über Ärzte, Therapeuten und andere Einrichtungen

Wir sind die richtigen Ansprechpartner, wenn eine medizinische Diagnose aus dem Autismus-Spektrum oder zu einer ähnlichen Entwicklungsstörung vorliegt. Besteht bei Kindern der Verdacht auf Autismus, können sich Eltern für eine Beratung zur ersten Einschätzung an uns wenden.

Leistungen sind in der Regel kostenfrei

Ziel der Einzelförderung ist es, alltagspraktische, kommunikative und soziale Fähigkeiten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zu entwickeln und zu erweitern. Mütter und Väter sind dazu eingeladen, an den Fördereinheiten teilzunehmen und Strategien zur Förderung und Begleitung ihres Kindes in den Alltag zu übertragen.

Zudem unterstützen wir dabei, das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl zu stärken. Im Rahmen von sozialen Kompetenzgruppen oder des Sozialtrainings für Schüler an Regelschulen werden bereits erlernte Fähigkeiten und Verhaltensstrategien gefestigt und mit anderen Kindern und Jugendlichen geübt und ausgebaut.

Mit der autismusspezifischen Förderung können die Integration in Kita und Schule sowie Selbstständigkeit und Selbstbestimmung bestmöglich erreicht werden. Sie erzielt bei Kindern ab 3 Jahren die besten Lernerfolge. Die Einzelörderung kann über einen Zeitraum von 3 Jahren gehen und ist eine für Familien kostenfreie Leistung der Eingliederungshilfe. Auf Antrag können die Kosten vom zuständigen Träger der Eingliederungshilfe übernommen werden.

Zielgruppe

Unsere Angebote richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Land Brandenburg mit allen Diagnosen im Autismus-Spektrum sowie ähnlicher Entwicklungsstörungen. Dazu zählen:

  • leichte, mittlere und schwere Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
  • Asperger-Syndrom
  • Frühkindlicher Autismus
  • A-Typischer Autismus
  • Highfunctioning Autismus
  • Rett-Syndrom
  • Fragiles X-Syndrom

Angebotsportfolio

  • autismusspezifische Früh- bzw. Einzelförderung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus: Mit 1 bis 2 Fördereinheiten pro Woche werden alltagspraktische, kommunikative und soziale Fähigkeiten entwickelt und erweitert. Ein Hauptschwerpunkt liegt im Vermittlen von Strategien, um soziale Situationen besser zu deuten und somit handlungsfähiger zu sein.
  • Elternworkshop für bis zu 4 Elternpaare oder -teile: Über einen Zeitraum von 6 bis 8 Wochen werden Mütter und Väter über autismusspezifische Fördermethoden informiert und darin gecoacht. Ziel ist es zudem, die Zeit bis zum Beginn der autismusspezifischen Förderung zu überbrücken.
  • PEFA-Intensivtraining für Eltern von Kindern mit Autismus im Vorschulalter: Mütter und Väter werden bei sich zu Hause umfassend methodisch angeleitet. Sie lernen Fördermethoden kennen und selbst anzuwenden, ihr Kind besser zu verstehen und es optimal in seiner Entwicklung zu unterstützen. PEFA steht für "Potsdamer Elterntraining zur Frühförderung autistischer Kinder". 
  • SOKO-Gruppen für Kinder, Jugendliche und junge erwachsene Menschen von 9 bis 18 Jahren mit Autismus und einem ähnlichen Entwicklungsstand im Sozialverhalten: Eine Gruppe von 4 bis 6 Teilnehmenden im gleichen Alter trifft sich 14-tägig im Autismuszentrum, um soziale Kompetenzen (SOKO) zu festigen und zu erweitern. Das Angebot ist eine sinnvolle Ergänzung im Anschluss an eine autismusspezifische Einzelförderung.
  • Sozialtraining an Regelschulen für Kinder und Jugendliche mit und ohne Autismus: Es zielt auf die Förderung sozialer Kompetenzen ab und findet wöchentlich mit 4 bis 6 Schülern einer Klasse statt. Ein Trainer begleitet und leitet die Gruppe an. Die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an aktuellen Situationen und Ereignissen aus dem Schulalltag.

Team

Unser Team besteht aus speziell ausgebildeten und persönlich geeigneten Fachkräften. Es setzt sich zusammen aus Heil-, Rehabilitations- und Sozialpädagogen sowie Erziehungswissenschaftlern und Psychologen. Unsere Mitarbeitenden verfügen über viel Erfahrung im Umgang, Beraten und Fördern von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Autismus sowie im Beraten von Angehörigen und Bezugspersonen. Wir verstehen uns als professioneller Partner von Menschen mit Autismus und/ oder Behinderung, Angehörigen sowie weiteren begleitenden Fachkräften. Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Menschlichkeit zeichnen uns aus.

Die Oberlin Lebenswelten arbeiten:

  • ganzheitlich: Wir nehmen die vielfältigen Bedürfnisse von Kindern und Eltern wahr und schaffen gemeinsam ein entwicklungsförderndes Umfeld.
  • familienorientiert: Unsere Angebote orientieren sich an den zeitlichen und räumlichen Ressourcen von Familien. Wir arbeiten im Umfeld der Familie. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern ist uns wichtig.
  • interdisziplinär und vernetzt: Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten während der Diagnostik- und Förderprozesse mit medizinisch-therapeutischen, psychologischen sowie weiteren pädagogischen Professionen zusammen. Zudem gehören der öffentliche Gesundheitsdienst sowie niedergelassenen Kinder- und weitere Fachärzte zu unserem Netzwerk.

Häufig gestellte Fragen

  • Gibt es eine Erstberatung?

    Ja, unsere Erstberatung kann von Eltern bzw. Personensorgeberechtigten, gesetzlichen Betreuern und betroffenen Erwachsenen in Anspruch genommen werden. Diese findet im Autismuszentrum statt oder auf Wunsch mobil, z. B. zu Hause. Unter den aktuellen Bedingungen der bundesweiten coronabedingten Kontakteinschränkungen beraten wir zudem telefonisch oder mittels Videotelefonie.

    Die Erstberatung richtet sich insbesondere an Eltern von Kindern, bei denen der Verdacht auf Autismus besteht oder eine medizinische Diagnose bereits gestellt wurde. Erwachsene Menschen mit Verdacht darauf oder entsprechender Diagnose, sind bei uns ebenso richtig. Anhand Ihrer Schilderungen beraten wir Sie individuell und gezielt zu Förder- und Unterstützungsangeboten der Oberlin Lebenswelten, im gesamten Oberlinhaus und darüber hinaus. Zudem informieren wir über das Antragsverfahren und den weiteren Ablauf.

  • Wo und in welchem Umfang findet die Frühförderung bzw. Förderung statt?

    Unser Team arbeitet mobil: Die Förderung erfolgt ambulant in unseren Räumlichkeiten, zu Hause und/ oder in der Kita bzw. Schule. Auf diese Weise können Förderschwerpunkte direkt im gewohnten Umfeld erarbeitet und geübt werden. Entsprechend des ermittelten Hilfebedarfs gibt es in der Regel 1 bis 2 Termine pro Woche. Unsere Gruppenangebote finden vorwiegend im Autismuszentrum statt.  

  • Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Eltern?

    Eltern und – je nach Inhalt und Zielsetzung der Förderung – auch Geschwisterkinder werden in den Förderprozess eingebunden. Die Erfolge unserer Förderangebote sind vom Mitwirken der Bezugspersonen abhängig. Regelmäßiges Feedback und vertrauensvoller Austausch sind uns sehr wichtig.

    Was klappt von den vereinbarten Zielen und Aufgaben im Alltag gut? Wo gibt es Schwierigkeiten? Das Funktionieren von individuell erarbeiteter Strukturierungs- und Visualisierungshilfen, z. B. Ablauf- und Tagespläne, sowie Verstärkern wird gemeinsam hinterfragt und Änderungsvorschläge werden besprochen. Eltern schildern regelmäßig ihre Eindrücke über die Entwicklung ihres Kindes und informieren über besondere Ereignisse im Lebensalltag des Kindes und der Familie.

    Eltern bzw. Personensorgeberechtigte haben die Möglichkeit:

    • in Abstimmung mit dem zuständigen Mitarbeitenden bei der Förderung dabei zu sein
    • an für die Familie passenden Themenabenden teilzunehmen
    • am Angehörigenkreis teilzunehmen, um mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen
  • Wie beantrage ich Frühförderung oder andere autismusspezifische Unterstützungsleistungen?

    Kinder, Jugendliche und erwachsene Menschen mit Autismus haben einen Anspruch auf Eingliederungshilfe. Diese kann im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe (gem. SGB VIII) oder der Eingliederungshilfe (gem. SGB IX) erbracht werden. Wer zuständig ist, hängt von der Art der vorliegenden Autismus-Spektrum-Störung ab. Sozialrechtlich wird unterschieden in wesentliche körperliche, geistige und seelische Behinderung:

    • Kostenträger bei wesentlicher körperlicher oder geistiger Behinderung ist der Träger der Eingliederungshilfe – je nach Amtsstruktur entweder das Sozialamt oder das Amt für Soziales und Inklusion
    • Kostenträger bei wesentlicher seelischer Behinderung ist das Jugendamt

    Eine Übersicht zu den Zuständigkeiten finden Sie in der Regel auf den Websites von Stadtverwaltungen bzw. Landkreisen.

    Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Eine verbindliche Zuordnung der einzelnen Autismus-Spektrum-Störungen gibt es in der Form nicht. Gern beraten wir Sie im persönlichen Gespräch über Möglichkeiten und für Sie zuständige Ansprechpartner. Tipp: Der Bundesverband Autismus Deutschland informiert umfassend über sozialrechtliche Bestimmungen.

    Die Fördermaßnahmen werden gewöhnlich zunächst für einen Zeitraum von einem Jahr bewilligt. Sollen diese fortgeführt werden, ist ein Antrag auf Weiterbewilligung zu stellen. Gern unterstützen wir Sie dabei.

Methodik

Grundlage der autismusspezifischen Förderung ist eine umfassende interdisziplinäre Diagnostik. Diese dient dazu, den aktuellen Entwicklungsstand unter den besonderen Bedingungen des Autismus zu erfassen und den Betreuungs- und Förderbedarf zu ermitteln. Basierend auf diesen Ergebnissen wird ein individueller Förderplan erstellt.

Die Wahl der Förder- und Therapiemethoden ist abhängig vom Unterstützungsbedarf und der Entwicklung des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen. Wir arbeiten nach anerkannten und bewährten Methoden und Ansätzen:

  • TEACCH – Visualisieren und Strukturieren

    TEACCH ist ein kommunikationsorientierter Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus und steht für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“ (zu Deutsch: „Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbeeinträchtigter Kinder“). Zentrale Elemente sind strukturiertes Lernen und Visualisieren.

    Beim strukturierten Lernen geht es um die Unterstützung von Menschen mit Autismus mittels räumlicher und zeitlicher Strukturierungshilfen, z. B. Ablauf- und Aufgabenpläne, sowie entsprechend gestaltetem Arbeitsmaterial. Alle individuell zu erstellenden Hilfen unterstützen beim Verstehen von Bedeutungen und beim Erwerb alltagsrelevanter Fähigkeiten.

  • PECS – mit Bildern Sprechen lernen

    Kinder mit frühkindlichem Autismus bzw. sogenannten schweren Autismus-Spektrum-Störungen sprechen oft sehr spät, sehr wenig oder auch gar nicht. Das Therapieverfahren PECS setzt am individuellen Entwicklungsstand des Kindes an und zielt auf das Anbahnen und Erweitern von verbalsprachlichen Fähigkeiten ab. PECS steht für Picture Exchange Communication System, zu Deutsch: Bildaustausch-Kommunikationssystem. Es ermöglicht mittels Bildkarten in kommunikativen Austausch mit der Umwelt zu treten.

    Nicht selten beginnt der Förderprozess damit, dass das Kind zunächst Sinn und Zweck von Kommunikation erkennen lernt. Das ist die wichtigste Voraussetzung für das Erlernen von verbalsprachlicher oder auch alternativer Kommunikation wie mit Hilfe von Bildkarten. Das PECS-Verfahren besteht aus 6 Phasen und unterstützt die Motivation der Kinder durch den gezielten Einsatz von individuellen Verstärkern. Als Verstärker dienen Gegenstände wie Spielzeuge und Aktionen, z. B. kitzeln, schaukeln oder deutliches Lob.

    Ziel ist es, dass das Kind durch die Übergabe einer Bildkarte und später durch das Sagen des Wortes bzw. eines gezielten Satzes das Gewünschte erreicht oder erhält. Nach und nach erlernt das Kind, dass es mit seiner Form der Sprache – seine Bedürfnisse und Wünsche zu äußern – selbst wirksam sein kann. Nicht jedes Kind durchläuft im Zuge seiner Entwicklung jede der 6 PECS-Phasen. Das Verfahren sieht keinen Abschluss vor und ist ein Leben lang anwendbar, so wie auch die Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist.

  • Unterstützte Kommunikation (UK)

    Unterstützte Kommunikation (UK) ist ein Sammelbegriff für Methoden, welche die Kommunikation von Menschen mit Autismus ermöglichen sollen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen. Mit Hilfe von UK wird die vorhandene Lautsprache ergänzt oder ersetzt. Ziel ist es, dass die Kommunikationsfähigkeit von Menschen mit Autismus erweitert und für alle Kommunikationspartner allgemeinverständlich wird.

    UK-Methoden werden für jeden Menschen individuell angepasst, diese unterteilen sich in:

    • körpereigene Kommunikationensformen, z. B. lautsprachbegleitende Gebärden, welche die wichtigsten Begriffe eines Satzes darstellen 
    • elektronische Hilfsmittel, z. B. Computer mit Lautsprach- oder Schriftsprachausgabe
    • nichtelektronische Hilfsmittel, z. B. Kommunikationstafeln, Bild- und Symbolkarten

  • Angewandte Verhaltenstherapie

    Das Konzept der Angewandten Verhaltenstherapie betrachtet jedes Verhalten – auch Verhaltensauffälligkeiten – als Ergebnis von Lernprozessen. Es geht davon aus, dass es sowohl erlernt als auch verlernt werden kann.

    Den Kindern werden in einer ablenkungsarmen Umgebung Aufgaben in sehr kleinen Schritten und strukturierter Abfolge präsentiert. Dabei erhält das Kind viel Hilfe und Motivation, alle notwendigen Lernschritte richtig umzusetzen und somit Freude und Spaß am Tun zu haben und aufrechtzuerhalten. Danach wird das Erlernte in den Alltag übertragen und gefestigt. Ziel ist es, das Kind in die Lage zu versetzen, selbst von seiner Umwelt zu lernen und es zu einem selbstbestimmteren Leben zu führen.

Ihre Ansprechpartnerin

Standort

Autismuszentrum

Das Autismuszentrum ist die vom Land Brandenburg beauftragte Kontakt-, Förder- und Beratungsstelle für Menschen mit Autismus, deren Angehörigen und weiteren Bezugspersonen sowie für Fachleute im Sozial- und Gesundheitswesen. Seit dem Jahr 1999 stehen unsere Mitarbeitenden für sämtliche Fragen rund um das Thema Autismus zur Verfügung. Hier erhalten Sie einen Überblick über unsere Leistungsangebote und erfahren, wo Sie uns finden.  

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